Von Étretat aus führte uns unser nächstes Ziel zum berühmten Mont-Saint-Michel. Zumindest war das der Plan.
Schon die Anfahrt verlief etwas anders als gedacht. Den Stellplatz, den wir ursprünglich ausgesucht hatten, fanden wir zwar, aber er lag weiter vom Mont entfernt, als wir angenommen hatten.
Als wir dort ankamen, war die Rezeption zudem noch geschlossen.
Also beschlossen wir kurzerhand, näher an den Mont heranzufahren und vor Ort weiterzuschauen.
Dabei entdeckten wir einen riesigen Parkplatz.
Abschnitt 8 war speziell für Wohnmobile reserviert. Theoretisch hätten wir dort sogar übernachten können. In diesem Moment erschien uns die Idee zwar nicht besonders verlockend, aber praktisch wäre es sicher gewesen.
Also wurden die Velos ausgepackt, June bekam ihren Ehrenplatz im Velokörbchen, und wir machten uns auf den Weg Richtung Mont-Saint-Michel.
Was für eine Fahrt!
Menschen. Überall Menschen.
Unzählige Menschen auf Velos, zu Fuss, in Gruppen, mit Kinderwagen, Kameras und Selfiesticks. Mich hat das Ganze deutlich mehr gestresst als Freddy. Menschenmengen waren noch nie meine Stärke, und obwohl später viele Parkflächen erstaunlich leer wirkten, muss das dort wohl als «wenig Besucher» gegolten haben.
Für mich war es jedenfalls mehr als genug.
Je näher wir dem Mont kamen, desto unwohler fühlte ich mich. Irgendwann war meine Geduld aufgebraucht und ich erklärte Freddy ziemlich deutlich, dass es für mich reicht und ich umkehren möchte.

Die Vorstellung, die 365 Stufen hinaufzusteigen, umgeben von einer Menschenmenge, während uns gleichzeitig eine weitere Menschenmenge entgegenkommt, war für mich schlicht der blanke Horror.

Also drehten wir um.
Manchmal muss man sich eingestehen, dass etwas zwar wunderschön sein mag, aber gerade nicht das Richtige für einen selbst ist.
Zurück beim Wohnmobil suchte ich deshalb nach einem Ort, an dem wir einfach etwas durchatmen konnten. Nach Ruhe. Nach Meer. Nach weniger Menschen.
Und tatsächlich fand ich einen Platz, der zwar überhaupt nicht auf unserer geplanten Route lag, aber genau das war, was wir in diesem Moment brauchten:
Cancale.
Das charmante Küstenstädtchen in der Bretagne ist bekannt für seine Austernzucht und seinen traditionellen kleinen Hafen.
Entlang der Uferpromenade reihen sich Restaurants, Fischerboote und Marktstände aneinander. Trotz seiner Beliebtheit hat Cancale sich einen entspannten und authentischen Charakter bewahrt.
Wir buchten spontan zwei Nächte auf einem Campingplatz dort und hatten das Gefühl, genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Der Platz war wirklich toll. Wir hatten sogar eine «gut gemeinte» Meersicht. Also mit etwas Fantasie, einem guten Standort und dem richtigen Blickwinkel konnte man das Meer tatsächlich entdecken. 😊

Der Weg hinunter zum Strand dauerte etwa fünfzehn Minuten und war sehr schön. Das eigentliche Highlight lag allerdings hinter dem Campingplatz.


Die Pointe du Grouin ist eine spektakuläre Landzunge an der bretonischen Küste. Von dort eröffnet sich ein beeindruckender Blick über den Ärmelkanal bis hin zum Mont-Saint-Michel in der Ferne. Das dort stehende Semaphor dient der Beobachtung und Sicherung des Schiffsverkehrs und gehört zu den markanten Punkten dieser wilden Küstenlandschaft.


Wir unternahmen dort mehrere Spaziergänge, liessen uns den Wind um die Nase wehen und genossen einen wunderschönen Sonnenuntergang.



Nach all dem Trubel beim Mont-Saint-Michel tat uns diese Ruhe unglaublich gut. Keine Menschenmassen, kein Gedränge, keine Hektik.
Einfach Meer, Wind, Weite und Zeit.
Genau das, was wir gebraucht hatten.
So verliessen wir Cancale zwei Tage später entspannt, erholt und bereit für die Weiterfahrt und viele neue Entdeckungen.



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